Ludowig der Lutenslaher




Mit Soloprogramm bin ich ca. 7 Jahre unterwegs, hauptsächlich in der Erlebnisgastronomie. Hier gehören natürlich Thüringer Mittelalterlokale zu meinen Spielstätten, unter Anderem das Rittergut Positz, die Elgersburg, die Ordensburg Liebstedt oder die Rudelsburg. Außerdem arbeite ich deutschlandweit in wechselnden Locations, natürlich gehören auch die typischen Lutherstädte Wittenberg, Torgau, Eisleben und  Eisenach zu meinen gern besuchten Auftrittsorten.
Weitere attraktive Auftritte gab es auf Schloß Plötzkau, der Burg Mildenstein in Leisnig, der Leuchtenburg bei Kahla, in Arnstadt zum 450. Jubiläum der Fürstenhochzeit von Graf Günther dem 41. mit Katharina von Nassau und zum Mittelalterspektakel "Himmelszeichen" 2010 in Erfurt.
Weiter spielte ich beim 1. und 2. Katharina-Tag in Torgau, für den Verein der Altstadtfreunde e.V. Nürnberg, zu den Museumsnächten auf der Wartburg in Eisenach, im Schloss Bernburg und auf der Burg Kriebstein.
Anfang September 2012 hatte ich Gelegenheit, mit Soloprogramm auf Schloss Rapperswil am Zürichsee (Schweiz) aufzutreten.

Das herausragende Ereignis im Bereich historische Hochzeit war 2010 auf der Rudelsburg (bei Naumburg), dort mit Ganztagsbetreuung als Herold und natürlich musikalischen Anteilen, aber auch andere Hochzeiten mit musikalischer Gestaltung der Zeremonie gab es unter Anderem in Leisnig auf der Burg, in Bad Langensalza und auf der Creuzburg bei Eisenach.




Als Ensemblemusiker und als Solist habe ich einige gute Referenzen: Konzerte in Polen und Litauen, Teilnahme an Festival für Alte Musik in Vilnius 2003, Fernsehproduktionen mdr, ZDF, Studioarbeit, Kaltenberger Ritterspiele, Feste in Neuburg an der Donau und Burghausen, Mitwirkung im Musical „Der Graf von Gleichen“, Reformationsfest Wittenberg 2008, Lutherhochzeit 2009 in Wittenberg.


Auch andere Sparten kann ich bedienen, so spiele ich als Gitarrist im Salonorchester Erfurt sehr breitbandige Musik von Klassik, Oper, Operette über Wiener Lieder, Ragtime, Tango von argentinisch bis europäisch, Swing und Filmmusiken.
Im "Uli-Ewald-Quartett" gibt es Swing, Jazz-Standards und Tanzbares, ein eigenes Klubprogramm mit Ostrock-Titeln ist in Vorbereitung...




Leben aus Thüringen und der Welt


28.05.11 - Land & Leute

"Ludowig der Lutenslaher" bringt mittelalterliche Musik dar

Lutz Lehmann zieht als "Ludowig der Lutenslaher" über Mittelaltermärkte und durch Biergärten, um sommerseligen Ausflugsgästen und vergnügungssüchtigen Besuchern die Musik des Mittelalters darzubringen. Um einen deftigen Trinkspruch ist er nie verlegen. mehr...

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"Ludowig der Lutenslaher" bringt mittelalterliche Musik dar

    Die Grundmühle passt gut zum Spielmann Ludowig dem Lutenslaher. Im urigen Lokal bei Tiefthal scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Foto: Sascha Fromm
    Die Grundmühle passt gut zum Spielmann Ludowig dem Lutenslaher. Im urigen Lokal bei Tiefthal scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
    Foto: Sascha Fromm

Lutz Lehmann zieht als "Ludowig der Lutenslaher" über Mittelaltermärkte und durch Biergärten, um sommerseligen Ausflugsgästen und vergnügungssüchtigen Besuchern die Musik des Mittelalters darzubringen. Um einen deftigen Trinkspruch ist er nie verlegen.

Erfurt-Tiefthal. Das Maigrün im Wald wispert, die Amseln singen, der Weißbach grummelt. Das Leben müsste aus solchen Maisonntagen bestehen, denkst du, und lässt dich zufrieden auf eine Holzbank fallen. Beate, die Grundmühlenkellnerin, kommt mit dem Tablett.

Ein Bier? Ludowig der Lutenslaher schlägt die Gitarre an. Sumer is icumen in. Es klingt ein bisschen heiter und ein bisschen traurig. Auf seinem Hut wippt die schwarze Feder. Am Nebentisch wird Bockwurst serviert. Ludowig singt.

Ludowig der Lutenslaher heißt mit bürgerlichem Namen Lutz Lehmann. Aber für einen Spielmann klingt das nicht. Also der Lautenschläger. Auch wenn es eine Gitarre ist, die er anschlägt.

Er spielt sie in Ausflugslokalen wie der Grundmühle bei Tiefthal zwischen fröhlich Bier und Wurst konsumierenden Ausflüglern. Er spielt auf Mittelalterfesten in Schlossgärten und Burgen inmitten lauter Händler und Gaukler. Er spielt für ausgelassene Tischgesellschaften zu Met und Schinken, er spielt auf fröhlichen Hochzeiten. Manchmal muss er sich ziemlich durchsetzen, um gehört zu werden. Aber er spielt.

Über der Grundmühle ziehen sich Wolken zusammen. Im Wetterbericht haben sie vor Hagel gewarnt. Ludowig spielt eine melancholische Weise aus der Renaissancezeit. Das inspiriert den Grundmühlenhahn, der sich aufplustert und mitkräht. Du tunkst deine Wurst in den Senf und ärgerst dich ein bisschen für Ludowig. Der lacht aber und bittet um Applaus für den Hahn.

Manchmal spielt Lutz Lehmann auch in Konzertsälen vor einem Publikum ohne Bier und Bratwurst. Dann schlägt er tatsächlich die Laute. Seit 1984 gehört er zum Erfurter Ensemble "Camerata", das die Musik der Renaissance pflegt. Dann ist er kein Spielmann. Dann ist er Musiker. Aber so sagt er das nicht.

Er spricht von Gebrauchsmusik, wenn er mit der Gitarre über Märkte zieht. Nein, da nagt nichts an der Seele, wenn sie die Humpen auf die Tische knallen, während er singt. Das sollen sie. So ist es gedacht. Außerdem, fügt er nach einem Moment hinzu, findet er immer Fans. Immer. Die rücken dann näher ran und fragen auch mal. Dann merkt er, es war nicht für die Katz. Und lacht. Ein schöner Trost. Er spielt Gitarre, seit er zehn war. Natürlich gab es einen Traum. Einmal hat er an der Musikhochschule in Weimar vorgespielt. Die urteilten pragmatisch. Zu kurz die Finger, leider. Das wird nie gehen mit der Konzertmusik. Er betrachtet ein bisschen belustigt seine Hände. Es ist mehr als 30 Jahre her, es tut nicht mehr weh. Also eine Nummer kleiner. An der Schule für Tanzmusik in Sonderhausen haben sie ihn genommen. Spielen. Das ist doch die Hauptsache.

Jetzt lässt es der Himmel krachen. Das Publikum flüchtet unter den Schirm und Ludowig unter die Linde, wo es ein bisschen weniger nass ist. Der Regen trommelt auf das Schirmdach, wirft große Blasen auf den Boden, die Ausflügler äugen nervös in den Himmel, aber Ludowig singt. Von Männern mit Bärten, von wandernden Handwerkern, vom Trinken und von der Liebe. Was ein Spielmann so singt. Die Feder auf seinem Hut sieht jetzt ein bisschen zerzaust aus.


Es gibt Tage, die verbringt er in Bibliotheken und Archiven. Dann sitzt er wie ein Scholar und blättert sich durch alte Schriften und Bücher auf der Suche nach Texten. Er weiß mittlerweile, wo er suchen muss. In den Hinterlassenschaften des singenden Ritters Oswald von Wolkenstein zum Beispiel oder des Minnedichters Walther von der Vogelweide. Eine reiche Quelle hat er in Litauen entdeckt, wo er mit der "Camarata" oft auftrat. Dort hat sich Großfürst Gediminas im 14. Jahrhundert als Musikmäzen betätigt und Spielleute aus ganz Europa an seinen Hof geholt. Er weiß eine Menge über alte Musik.

"Sauf, dass dir die Nase glüht, rot wie ein Karfunkel!"

Plötzlich ist der Himmel blitzblau. Der Wind schüttelt letzte Wassertropfen aus den Blättern. Der Grundmühlenhahn führt seine Hennen durch die Pfützen. Die Ausflügler ziehen auf die Sonnenplätze um. Ludowig stimmt an den regenverzogenen Gitarrensaiten und gibt ein paar Trinksprüche zum Besten. Die Leute klatschen und bestellen noch ein Bier.

Demnächst wird er eine Knickhalslaute spielen. Die hat behutsamere Töne als die Gitarre, ist aber authentisch. Obwohl, sinniert er, wer weiß das schon. In der "Camerata" diskutieren sie manchmal angestrengt darüber, vergleichen Zeichnungen und Schriften. Haben die Spielleute vor dem Publikum gestanden? Oder spielten sie von Balkonen, während sich die Herrschaften im Hof amüsierten? Ein Zipfelchen des Lebensgefühls längst versunkener Jahre zu erhaschen, das wär doch spannend.

Diese eigentümliche Mischung aus deftiger Ausgelassenheit und tieftrauriger Melancholie. Möglich, philosophiert er ein bisschen, weil Leben und Tod so nah beieinander lagen, damals. Manchmal hält er an der Volkshochschule Vorträge über Musiker im späten Mittelalter.

Vielleicht ist er in der falschen Zeit geboren? Ach was. Obwohl. Dann wäre bestimmt auch ein Spielmann aus ihm geworden, vermutet er. Jetzt ist Hochsaison, ein Mittelalterfest nach dem anderen. Vielleicht zu viele mittlerweile. Er reist quer durch Deutschland mit seiner Gitarre. Es reicht trotzdem nicht immer.

Manchmal wird aus dem Spielmann ein Herold, der durch Hochzeiten führt. Mit alten Bräuchen und Gesängen. Auch dafür sitzt er tagelang in Bibliotheken und sucht nach Überlieferungen. Es soll nicht nur Klamauk sein. Und er arbeitet an einem Programm mit Ostrock-Titeln. Renft, Lakomy, Karat und so. Damit kann er im Winter in Clubs auftreten. Das Mittelalter ernährt heute keinen Spielmann mehr.

Später Nachmittag. Du blinzelst in das Lindendach, nimmst den letzten Schluck aus dem Glas. Wird Zeit. Schade. Ludowig packt auch ein. Gitarre, Verstärker, macht sich auf den Weg. Viel mehr als die Spesen hat er an diesem Nachmittag nicht verdient. Aber so kann man nicht rechnen, sagt er. Dann darf man kein Spielmann sein.

Manchmal kommt es vor, da wollen die Leute bierselig "Alte Kameraden" hören. Aber so was spielt er nicht. Man darf, sagt er noch, sich doch nicht aufgeben.


Elena Rauch / 28.05.11 / TA



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